Forschung und Schutz von Meeressäugern

Schwertwal


Ein Teil der norwegischen Population des Atlantischen Herings (ca. 3,5 Mio Tonnen) wandert jedes Jahr in die Nähe der nordnorwegischen Küste, um den Winter dort zu verbringen. Im Januar und Februar ziehen sie weiter gen Süden zu ihren Laichgründen entlang der norwegischen Küste. Die restliche Zeit des Jahres verbringen sie in der offenen See und kehren im darauffolgenden Herbst an die Küste Nordnorwegens zurück.

Die Schwertwale in Norwegen ernähren sich von dem Heringsbestand und folgen diesem das ganze Jahr über; einige Gruppen verbringen die Sommermonate in den Fjorden und ernähren sich von Lachs, dem örtlichen Heringsbestand, Makrelen und Meeressäugern.

Die saisonalen Wanderrouten der Heringe unterliegen weitreichenden Schwankungen. Bis in die späten 60er Jahre befanden sich die Überwinterungsregionen in den küstenfernen Gebieten der norwegischen See. Nach einem Zusammenbruch der Population in Folge von Überfischung verlagerten sich die Überwinterungsgebiete in das Fjordsystem Nordnorwegens. Derzeit befinden sich die Überwinterungsregionen für die Monate Oktober bis März in Tromsoe, Senja und Anfjorden. In dieser Zeit versammelt sich eine große Anzahl an Schwert-, Buckel- und Finnwalen in diesen Fjorden. Schwertwale können auf den Lofoten von Mai bis September beobachtet werden, wo sie sich üblicher Weise von Lachs, Hering und Makrele ernähren.


Killer Whale Sounds

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Schwertwale oder auch Orkas (Orcinus orca) in Norwegen

Fakten

Zahnwal, größter Delphin, weltweite Verbreitung, Größe der Gesamtpopulation ist unbekannt 

Alter: Weibchen 80 – 103 Jahre; Männchen 50 – 60 Jahre

Größe: Voll ausgewachsen mit 20 – 25 Jahren. Weibchen 5,8 m (max. 7,9 m), Rückenflosse 0,8 m;  Männchen 6,6 m (max. 9,1 m), Rückenflosse 1,5 – 2 m.

Gewicht: Männchen 4.000 – 5.500 kg, Weibchen 2.500 – 5.000 kg

Geschlechtsreife: 8 – 17 Jahre, wenn 5,5 – 6,1 m Länge erreicht (Weibchen 15 Jahre, Männchen 15 – 20 Jahre)

Voll ausgewachsen: Männchen 25 Jahre, Weibchen 15 Jahre

Vermehrung: Ein Junges alle 3 bis 4 Jahre; Tragzeit ca. 16 – 17 Monate mit während der Monate Juli bis September unterbrochener Entwicklung des Embryos. Geburten können das ganze Jahr über stattfinden, Hauptzeit ist im Spätherbst und Frühwinter. Ein Weibchen bekommt  4 bis 6 Junge in einer Zeitspanne von 25 Jahren, bis es 40 Jahre alt ist. Nach der reproduktiven Zeit leben die weiblichen Tiere noch weitere 20 Jahre, vermutlich, um für ihre Nachkommen und ihre Gruppe zu sorgen. Neugeborene Schwertwale haben eine Länge von 1,8 – 2,2 m und ein Geburtsgewicht von ca. 180 kg. Die Mutter säugt das Junge über ein Jahr lang.

Gruppenstruktur: Schwertwale haben sehr starke soziale Bindungen. Die Jungtiere beiderlei Geschlechts verlassen niemals ihre Mutter und verbringen ihr ganzes Leben lang in kleinen Familienverbänden. Die Männchen paaren sich mit den Weibchen anderer Gruppen, auf diese Weise sind die männlichen Tiere in der Gruppe nicht die Väter der Jungtiere, jedoch ihre Brüder, Vettern und Onkel. Die kleinste soziale Einheit besteht aus 6 – 15 Tieren, einer matrifokalen Gruppe, bestehend aus dem Muttertier und dessen Nachkommen (beiderlei Geschlechts).

Pod: Mehrere verwandte matrifokale Gruppen zusammen, die ca. 50 % ihrer Zeit miteinander verbringen.

Clan: Matrifokale Gruppe mit gleichem Lautrepertoire (“Dialekt“) und allesamt miteinander verwandten Mitgliedern.

Gemeinschaft (Community): Verschiedene Gruppen, die zumindest einmalig miteinander beobachtet werden konnten. Mitglieder verschiedener Communities scheinen weder miteinander zu schwimmen, noch sich untereinander zu vermehren (bspw. nördliche und südliche ortstreue Wale in Britisch-Kolumbien, Kanada).

Population: mind. 50.000

Schutzstatus: Data Deficient ver 3.1, Populationsentwicklung: unbekannt

Wandern/Ziehen: Alle Tiere der Gruppe bewegen sich in dieselbe Richtung, entweder in einer Linie oder in Gruppen.

Nahrungsaufnahme: Schwertwale haben eine breites Beutespektrum (von Fisch bis zu Meeressäugern) und scheinen sich zu spezialisieren, wenn nährstoffreiche Nahrung verfügbar ist. In Norwegen ernähren sich Schwertwale hauptsächlich von Hering, aber auch von Lachs, Makrele, Vögeln und Seehunden.

Es gibt mehrere belegte Strategien der Jagd auf Heringe:

  1. Karussell-Jagd (Carousel feeding): Die Wale treiben die Heringe nahe an der Oberfläche zu einem dichten Ball zusammen und betäuben sie mit Schlägen ihrer Schwanzflossen. An der Wasseroberfläche können springende Fische, Schuppen und betäubte Heringe zu sehen sein.
  2. Jagd unterhalb der Wasseroberfläche (Subsurface feeding): Die Wale schwimmen in einem begrenzten Bereich vor und zurück, an der Wasseroberfläche sind Aktivitäten zu beobachten, wie Springen oder Schläge mit der Schwanzflosse (ebenso beim Fressen von Makrelen).
  3. Jagd während des Schwimmens (Travel feeding): Die Tiere ziehen in einer Linie in loser Formation umher, gelegentlich halten sie und fressen individuell.
  4. Fressen aus Schleppnetzen (Seine fishing feeding): Schwertwale folgen Booten, die mit Netzen nach Hering fischen und fressen die über Bord zurück ins Meer geworfenen Fische. Dieses Verhalten hat in den letzten Jahren aufgrund der steigenden Fangquoten für Hering und der gestiegenen Zahl an Fischerbooten zugenommen.
  5. Lachsfang (Salmon feeding): In loser Formation scannt die Gruppe das Fjord mittels Echoortung, Fänge erfolgen individuell oder in Kleingruppen, Sprünge und Abschlagen des Körpers auf dem Wasser (Breaching), um den Lachs zu töten, sind üblich.

Sozialverhalten (Die Tiere befinden sich durchgehend in sozialer Interaktion!): Die Wale vollziehen eine Vielzahl physischer Interaktionen und Verhaltensweisen oberhalb der Wasseroberfläche, wie Sprünge, das Recken des Kopfes über Wasser (sog. spy hopping), Kopfstände, Heben der Schwanzflosse über die Wasseroberfläche und Flossenschläge. Außerdem Herumrollen, einander jagen sowie sexuelle Verhaltensweisen, Annäherungen zweier Individuen bis auf eine Körperlänge oder direkter Körperkontakt.

Ruhen: Die Wale treiben für mehrere Minuten bewegungslos an der Wasseroberfläche oder schwimmen langsam in engen Gruppen, wobei sie in regelmäßigen Abständen auf- und abtauchen. Ruhende Wale sollten nicht gestört werden.

Kommunikation: Schwertwale sind hinsichtlich ihrer sozialen Interaktion, Navigation und dem Auffinden von Beute auf Lautäußerungen angewiesen. Aus diesem Grunde produzieren sie eine Vielzahl an Lauten:

Klicks werden überwiegend zur Echo-Ortung verwendet.
Pfeiftöne treten auf, wenn sich die Wale in unmittelbarer Nähe zueinander befinden, stereotype Pfeiftöne könnten für die Koordination in geringem Abstand und die soziale Interaktion bedeutsam sein.
Rufe werden sowohl für die Kommunikation auf naher als auch auf weiter Distanz genutzt. Rufe sind stereotyp pulsierende Geräusche, die häufig anhand von zwei unabhängig modulierten Frequenzen charakterisiert sind:

Einer tiefen Frequenz (LFC), deren intensivstes Spektrum unter 10 kHz liegt sowie einer höheren Frequenz (UFC), die aus einer Basisfrequenz rangierend zwischen 2 und 12 kHz sowie Nebenfrequenzen mit bis zu 100 kHz besteht.

Sie produzieren darüber hinaus Summ- und Quiek-Laute im mittleren Frequenzbereich, oftmals von Rufen begleitet.

Mehr Info:

“Vocal repertoire of two matrilineal social whale species:
Long-finned Pilot whales (Globicephala melas) and Killer whales (Orcinus orca) in northern Norway”, Heike Vester
2017 University of Goettingen, Germany

Sanfte Walbeobachtungen (Whale watching)

Bedrohungen: Walfang (Indonesien, Grönland), Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll, menschenverursachter Lärm (seismische Untersuchungen oder Militärsonar), Verfangen in Fischernetzen, Überfischung, Fang/Gefangenschaft


 

Killer-Whale_Chris-Studer-2015 (1 of 1)



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